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Kasematten in Rees

 Kasematte unter dem städt. Koenraad Bosman Museum Rees

Die Reeser Kasematten (feuerfeste Geschützkammern) gehören zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Festungsanlagen im Rheinland. Bereits am Ende des 13. Jh. wurde die älteste Stadt am Unteren Niederrhein aufgrund ihrer herausragenden wirtschaftlichen Bedeutung mit einer Stadtbefestigung umbaut. Sechs unterschiedliche Wehrsysteme lösten einander in sechs Jahrhunderten (13. - 18. Jh.) ab, erbaut von drei verschiedenen Nationen Europas. Rees hat in sehr anschaulicher Form Teile seiner mittelalterlichen Festungsanlagen, vor allem die Rheinseite mit dem Zollturm (13. Jh.), dem Mühlenturm (um 1470) und dem eindrucksvollen Rondell (um 1300) mit der ältesten Reeser Kasematte, bewahren können.

Zwei weitere gut erhaltene und zurzeit öffentlich zugängliche Kasematten aus dem 16. Jh. befinden sich unter dem Städtischen Museum "Koenraad Bosman" und in der Bastei am Westring.

Kasematte unter dem Museum

Diese Kasematte wurde im 15. Jh. auf Veranlassung des Reeser Magistrats erbaut. Sie wurde zu einer Zeit erbaut, als das Territorium des Herzogtums Kleve mehr und mehr in die kriegerischen Auseinandersetzungen während des 80jährigen niederländischen Aufstandes gegen die spanische Herrschaft hineingezogen wurde.  Die Kasematte ist ein unterirdisch gewölbter Raum aus weitgehend homogenem Backsteinmauerwerk in recht regelmäßigem Kreuzverband. Sie liegt parallel zur Straße "Vor dem Falltor" (Eingang Museum) unter dem jüngst überbauten Hof des Museums und hat wohl nie ein Gebäude getragen.

Der Fußboden liegt in der oberen Ebene vier Meter und in der unteren Ebene fünf Meter unter heutigem Straßenniveau. Das Niveau des nach Südosten anschließenden Geländes liegt fast 80 Zentimeter über dem der Straße "Vor dem Falltor". Wenn man sich die von Südosten kommende Stadtmauer verlängert denkt, stellt man fest, dass das Hauptgebäude des Museums (früher Haus Keim) an die Innenseite der Stadtmauer angesetzt ist, die Kasematte an die Außenseite (Feldseite). Sie lag also außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer und innerhalb der späteren holländischen Festungsbauten.

Die Kasematte ist ein 14 Meter langer und 2,60 Meter breiter Raum für leichtere Geschütze. Nach Südosten gehen von diesem Raum vier Kammern ab. Am Ende dieser Kammern befinden sich die vier - nachträglich vermauerten - Schießöffnungen für die Geschütze. Von der Kasematte aus wurde im Belagerungsfall der Bereich zwischen der Stadtmauer und dem Außenwall beschossen. Eine weitere Geschützstellung (Kasematte) befand bzw. befindet sich innerhalb des Rondells - sozusagen als Gegenüber.
 
Es dürfte sich bei dieser Kasematte um die einzige für die Öffentlichkeit zugängliche derartige Anlage am Unteren Niederrhein handeln.
 
Überarbeiteter Auszug aus dem Beitrag von Dr. Harald Herzog „Die Kasematte am Falltor“, aus dem Buch Städtisches Museum Koenraad Bosman, Rees 1997; dort weitere Informationen zur Kasematte. Das Buch ist im Museum erhältlich!

Kasematte unter dem städtischen Koenraad Bosman Museum Rees

   

Bastei am Westring mit Kasematte

Erbaut 1583, lange Zeit verschüttet, 1920 freigelegt. Die Bastei (vor-springender Teil an alten Festungsbauten) ist Bestandteil der damaligen Festungsanlage Rees. Das Bauwerk, das in Anlehnung an die Bastionsentwürfe des Künstlers Albrecht Dürer entstand, wurde aus Backsteinen halbmondförmig symmetrisch angelegt. In den ca. 70 cm starken Außenmauern zum Rhein hin befinden sich zangenförmige Schießscharten mit runden Schusslöchern für kleinkalibrige Geschütze und Handgewehre. Erreicht wurde die Bastei durch ein Y-förmiges Gangsystem aus gewölbten Tunneln; der Zugang erfolgte von der Stadtmitte her. Zwei Gänge, die schräg aufeinander zulaufen, sicherten früher den Abschnitt zwischen Rhinwicker Tor und Delltor. Durch die leicht abschüssigen Kasemattenböden konnten die Geschütze schneller und leichter abtransportiert werden.

Kasematte am Westring


Nach dem zweiten Weltkrieg begann der Ausbau  als Gefallenenfriedhof und Gedenkstätte. Die Grabanlage wurde symmetrisch über zwei Ebenen mit strahlenförmiger Anordnung der Grabkreuze und -wege und einem mittig auf der Wallhöhe stehenden schlichten Holzkreuz angelegt.  

Kasematte am Rondell

Offenbar die hohen Kosten des Stadtmauerbaues scheuend, begannen die Stadtbürger erst 60 – 70 Jahre nach der Stadterhebung 1228 ihre Rheinfront mit einer steinernen Mauer zu befestigen. Noch während dieser Baumaßnahme fassten sie den Entschluss, die einst dem Rhein zugewandte Südostecke nachträglich mit einem Rundturm zu bewehren. Dieser Wachturm wird schon 1329 als Rundeyl – Rondell – erwähnt. Auch in anderen Städten wie Kalkar (1354 rundell) und Kleve (1369 rondeel) existieren seinerzeit Rondelle. Im damaligen Sprachgebrauch waren dies freilich noch keine Artilleriebauten, sondern vielmehr bullige, bastionsartige Rundtürme. Erst im 15. Jahrhundert wandelten sich diese zu speziellen Wehrbauten für Feuerwaffen.

Das heute stehende Rondell ist das Produkt eines höchst komplizierten Wachstumsprozesses, der aus einem kleinen Rundturm über mehrere Um- und Ausbauphasen bis Ende des 16. Jahrhunderts den jetzigen Baukörper schuf. Dieser zeigt eine grob halbovale, mehrfach im Verlauf unregelmäßig gebrochene Gestalt mit geschrägten, d. h. dossierten Wänden. Auffällig sind die zahlreichen Flickungen der Außenhaut, die ein beredtes Zeugnis davon ablegen, wie oft der Rhein durch Hochwasser und Eisgang dieses exponiert gelegene Bauwerk beschädigte. Denn bis 1671 floss der Rhein in einer weiten Schleife direkt auf das Rondell zu. Erst der mühsame Kurvendurchstich ab 1654, der den jetzigen Rheinverlauf erzeugte, entlastete die Bausubstanz spürbar.

Das alte Rondell wurde um 1520 der neuen Wehrtechnik angepasst, indem man es rundum erweiterte und mit Schießkammern versah. Hierbei erhielt das Südwesteck zur effizienten Bestreichung der Rheinfront ein eingezogenes Ohr, ein sog. Orillon. Ein solches wurde nach Norden nicht benötigt, da dort zeitgleich ein mächtiges bolwerck – die Streichwehr unter dem Koenraad Bosman Museum – entstand. Von der südlichen Schießkammer hat sich eine später vermauerte Maulscharte für Hakenbüchsen und kleinkalibrige Geschütze erhalten; eine das Ohr seitlich durchdringende Scharte wurde nicht realisiert.

Um 1583 erfolgte eine weitere „Modernisierung“, indem man die nördliche Schießkammer erneuerte und mit einem Tonnengewölbe sowie zwei Rundlochscharten versah. Zugleich wurde auch die südliche Schießkammer eingewölbt. Beide Gewölbe enthielten Deckenluken zur besseren Belüftung und zum Abzug des Pulverdampfes.

Als die Franzosen das Rondell nach 1758 offenbar als Munitionsdepot nutzten, verdämmten sie das Gebäudeinnere weitgehend und legten auf einem wesentlich höheren Niveau jene gewölbten Korridore an, die das Rondell noch heute stadtseitig erschließen.

Statische Probleme im Inneren der südlichen Kasematte führen 2002/2003 zuerst zu einer Bauuntersuchung inklusive archäologischer Schürfungen, dann zu einer statischen Sicherung.

Das Rondell wurde im Frühjahr 2003 durch das Seminar für Burgenforschung fachgerecht teilentschuttet.

Seit 2014 ist die Kasematte bei Stadtführungen zu besichtigen.